Flusskreuzfahrtprojekte in zahlen


  • Seit 2008 haben wir unseren Fokus auf die Flusskreuzfahrt ausgerichtet. Das Marktsegment der Flusskreuzfahrt gehört zu dem erfolgreichen Segment der Kreuzfahrt, einem Teilmarkt des Tourismus. Bis August 2023 haben wir insgesamt 16 Flusskreuzfahrtschiffe mit einem Investitionsvolumen von über € 300Mio. kontrahiert.

 

DIE PCE-FLUSSKREUZFAHRTPROJEKTE IM KURZÜBERBLICK

  • Aufgelegtes Investitionsvolumen von rund € 300 Mio. in 18 Flusskreuzfahrtschiffen
  • Bis 31.12.2023 rund € 42 Mio. Auszahlungen an Investoren geleistet
  • Die kumulierten Tilgungen der fahrenden Flotte betragen bis 24.08.2023 rund € 37,3 Mio., das entspricht rund 28,5 % der ursprünglichen Schiffshypothekendarlehen
  • Drei der fahrenden Flusskreuzfahrtschiffe haben das Schiffshypothekendarlehen bereits vollständig getilgt. Ein Schiff wurde Anfang 2020 an den Käufer übergeben.
  • Der Zertifizierer Bureau Green Award, Rotterdam, hat sechs Schiffe der Flusskreuzfahrt-Flotte mit "Silber" ausgezeichnet

 

Stand: August 2023


Weitere Details über die realisierten Projekte der PCE finden Sie hier.

Der Flusskreuzfahrtmarkt


Der nachfolgende Text ist der Abdruck einer von der PCE in Auftrag gegebenen Darstellung über die Kreuzfahrt auf europäischen Flüssen, erstellt im Jahr 2023 von Gerd Achilles, Herausgeber des Branchendienstes »Schiffsreisen-intern«, Hamburg.

 

Flusskreuzfahrt-Markt 2023

Der Blick zurück auf den Flusskreuzfahrt-Markt 2022 löst bei vielen Branchenkennern zwiespältige Reaktionen aus. Die Buchungslage und damit auch die Auslastung der Flotte erholte sich gegenüber den Zahlen während der Pandemie zwar deutlich, aber die finanziellen Belastungen aus den vorherigen Jahren konnten bei weitem nicht kompensiert werden. Hinzu kommen aktuell die schnell steigenden Zinserhöhungen. Zum Jahresschluss 2022 war so die Stimmung bei Veranstaltern, Vertrieb und Reedereien daher wenig euphorisch.

Die Überraschung folgte jedoch bereits in den ersten Januarwochen 2023. Plötzlich zogen die Buchungszahlen kräftig an. Manche Unternehmen meldeten sogar Rekordzahlen, die sich jedoch auf sehr unterschiedliche Basiswerte bezogen. Aber immerhin, die Stimmung war wieder hoffnungsvoll. Allerdings stellte sich schnell heraus, an der Buchungsflut waren sehr viele Kunden beteiligt, die jetzt ihre aufgeschobenen Tickets in eine feste Buchung umwandelten. Dieses Volumen traf auf Neukunden, was zu diesem Zeitpunkt in ähnlich vergleichbarer Größenordnung in der gesamten Touristik zu beobachten war. Der Wunsch, endlich wieder einmal einen Urlaub anzutreten, wurde deutlich spürbar. Immer mehr Menschen, durch die politischen und wirtschaftlichen Unruhen verunsichert, wurden durch das Motto „Wir gönnen uns noch einmal etwas, wer weiß, was noch kommt“ motiviert, sich etwas zu leisten. Mit der Folge, dass viele Buchungen kurzfristig getätigt wurden. An der eigentlich notwendigen Basisauslastung schon zu diesem Zeitpunkt für den Sommer und Herbst muss aber noch heftig gearbeitet werden. Abzulesen ist das auch an der zunehmenden Flut von direkten oder versteckten Rabatten, Preisnachlässen oder kostenlosen Zusatzleistungen.

Im Zuge der sich anbahnenden Konsolidierung am Flusskreuzfahrtmarkt begannen manche Unternehmen nach einer Pause wieder mit dem vorsichtigen Ausbau ihrer Kapazitäten. Eine Reihe von Neubauten kam auf den Markt. Andere Unternehmen vergrößerten ihre Kapazität durch Charterschiffe, die bisher vorwiegend für ausländische Kunden eingesetzt wurden. Eine Hamburger Hotelgruppe wagte sich sogar mit der Übernahme von fünf Flussschiffen aus der Insolvenz eines US-Unternehmens neu auf den Markt und versucht jetzt, im gehobenen Preissegment einen Kundenstamm aufzubauen.

Quelle: Thurgau Travel
Quelle: Thurgau Travel

Da der Nachfrageboom am Jahresanfang sich nicht längerfristig fortsetzte, werden nun wieder warnende Stimmen laut. So weisen Marktteilnehmer darauf hin, dass bisher die Zahlen des herausragenden Jahres 2019 noch nicht wieder erreicht seien. Vor allem der totale Ausfall des Rußlandgeschäfts macht sich negativ bemerkbar. Dieser Ausfall kann auch nicht durch eine anziehende Nachfrage nach Nil-Kreuzfahrten kompensiert werden, da in anderen Fahrtgebieten, wie beispielsweise dem durch die politischen Veränderungen in Myanmar kaum nachgefragten Irrawaddi, keine Impulse kamen. Es fehlt auch noch die chinesische Nachfrage nach Flusskreuzfahrten in Europa, die sich erst langsam mit der Aufhebung der Pandemieregeln wieder beleben dürfte.

Doch die Branche macht sich zusätzlich Gedanken über den Einfluss der Klimaveränderungen. Kurzfristig kommt das in zunehmend nicht mehr kalkulierbaren Pegelständen der Flüsse zum Ausdruck. Die sich jetzt abzeichnenden schnellen Wechsel der Pegelstände in den Sommermonaten auch auf bisher durchgehend befahrbaren Flüssen wie den Rhein, zwingen zu schellen Reaktionen mit einem von den Kunden nicht bezahlten Mehraufwand. Eine andere Seite des Klimawandels zeichnet sich schon seit Jahren ab. Zunächst war es die Folge von einer steigenden Kundennachfrage, die dazu führte, dass die Monate Oktober, November und vor allem der Dezember mit seinen Weihnachtsmärkten, dem Weihnachtsfest und Silvester immer mehr eigentlich stillgelegter Kapazität benötigen, um diese Nachfrage zu befriedigen. Inzwischen gehen viele Unternehmen davon aus, auch ihren Saisonstart vorzuverlegen. Die Blütezeit startet überall früher, die Temperaturen lassen sogar den Aufenthalt auf dem Oberdeck zu und in vielen Zielgebieten fehlen noch die Touristen, so dass sonst überlaufende Sehenswürdigkeiten in aller Ruhe besucht werden können. Die ersten Veränderungen in den Programmen für 2024 zeigen diesen Trend. Im Crewmanagement dürfte das für einige Erleichterungen sorgen, da Fachkräfte jetzt durchgehend beschäftigt werden können.

Die Diskussion über den Klimawandel und den Umweltschutz hat auch den Flusskreuzfahrtmarkt beeinflusst. Das gilt nicht nur für die Programmgestaltung der Landausflüge, die in Zusammenarbeit mit den jeweiligen lokalen Tourismusbüros und Behörden gestaltet werden, sondern auch für den Einsatz der Schiffe. Inzwischen verfügt die Mehrzahl der Anlegestellen über einen Stromanschluss, so dass die Motorisierung der Schiffe an neue Techniken angepasst werden kann. Außerdem wird auch auf den Schiffen strenger als bisher auf Nachhaltigkeit geachtet und die Verschwendung von Nahrungsmitteln strenger kontrolliert.

Nun richtet sich die Aufmerksamkeit zunächst hoffnungsvoll auf 2021. Die Mehrzahl der Unternehmen hatte bei ihrer Planung zunächst den Saisonbeginn im März im Auge. Sie wurden enttäuscht, denn die Coronaerkrankungen stiegen fast überall überproportional wieder an, und so gingen in den noch als Vorsaison geltenden Wochen März und April kaum Schiffe an den Start. Mehrere europäische Regierungen kündigten inzwischen sogar an, dass sie Auslandsreisen für einige Zeit verbieten wollen, was den Start der Flusskreuzfahrtflotte nun sogar bis Mitte Mai verschieben könnte. Beschlossen ist das zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht. Da mangels verfügbarer Impfstoffe vermutlich erst in den Sommermonaten mit einer größeren Zahl an immunisierten Menschen zu rechnen ist, kann sich die Flusskreuzfahrt zumindest über einen Lichtblick freuen. Die Impffolge bevorzugt zunächst die ältere Generation, und das sind hauptsächlich auch die Kunden der Branche. Das Geschäft mit Familien und Kunden unter 50 Jahren wird daher noch bis in den Herbst warten müssen.

Mit der holprigen Bekämpfung der Pandemie schwinden auch die Hoffnungen auf eine Belebung der ausländischen Nachfrage. Immerhin nutzten bis 2019 jährlich mehr als 200.000 Passagiere Flussschiffe auf europäischen Flüssen. Die meisten der für amerikanische, australische oder asiatische Gäste vorgesehenen Schiffe liegen seit mehr als einem Jahr still. Einige US-Veranstalter oder deren europäische Partner versuchen inzwischen, zumindest einige Einheiten an europäische Veranstalter zu verchartern. Nicht alle Marktteilnehmer sehen diese Entwicklung gelassen. Ihre Befürchtung: Die Kunden lernen Schiffstypen kennen, die in der Qualität und im Design den in Europa angebotenen Einheiten deutlich überlegen sind. Da diese Charterschiffe zu europäischen Preisen angeboten werden, die deutlich unter denen in den USA oder Australien liegen, könnte das, wenn die Schiffe wieder für ausländische Gäste benötigt werden, zu unerwünschten Vergleichen führen. Die Motivation der US-Veranstalter, die Schiffe kurzfristig in Subcharter in  Fahrt zu setzen, entspringt einer einfachen Überlegung. Es sei sehr wichtig, den amerikanischen Kunden sagen zu können: „Wir sind in Europa unterwegs und kennen dort alle Bedingungen, Mit uns könnt ihr euch auf unsere Erfahrungen verlassen.“

Da die Unsicherheit über den Einsatz der Flusskreuzfahrtschiffe auf europäischen Flüssen sich vermutlich bis zum Sommeranfang hinziehen wird und der Erfolg auch durch eine zunächst sehr zurückhaltende Nachfrage bis zum Jahresende schwer einzuschätzen ist, konzentrieren sich schon jetzt alle Vorbereitungen auf 2022. Die Veranstalter gehen davon aus, dass es dann zu einem Boom auch in der Flusskreuzfahrtnachfrage kommt. Wie in der Hochseefahrt, wo die Nachfrage vor allem nach längeren Reisen bereits deutlich anzieht, dürfte auch auf den Flüssen ein Stau abzubauen sein. Da die Werften zur Zeit kaum ausgelastet sind, bieten sich auch einer Reihe von Investoren angesichts der prognostizierten Entwicklung gute Chancen, mit Ablieferung Frühjahr 2022 Neubauten zu bestellen, die vermutlich gut vom Markt aufgenommen werden.

Quelle: Thurgau Travel
Quelle: Thurgau Travel

Das alles kostet Geld. Da auch auf den Flusskreuzfahrtschiffen, wie in der Gastronomie oder Hotellerie an Land Fachkräftemangel herrscht, wird es auch im Personalbereich teurer. Hinzu kommt die nächste drohende Erhöhung des Mindestlohns, der auf Schiffen, die manchmal täglich mehrere Länder mit unterschiedlichen Vorschriften befahren, eine schwierige Situation darstellt. Mit diesen Fragen beschäftigt sich auch der Verband der Flusskreuzfahrtanbieter, der auch Kontakt zu der Bevölkerung hält, die direkt an vielbesuchten Anlegestellen wohnt, um dort mit ihnen mögliche Probleme vor Ort zu lösen.

Die Aussichten für das Jahr 2023 sind für die Flusskreuzfahrt trotz aller Widrigkeiten sehr gut. Die Branche bietet ihren Kunden nicht nur eine breite Palette sehr verschiedener Angebote wie Städte- und Themenreisen, unterschiedliche Landschaften und einen sehr engen Kontakt zu der Bevölkerung. Inzwischen hat auch die Kulinarik an Bord einen hohen Stellenwert, oft sogar angeboten in einem zusätzlichen Spezialitätenrestaurant und auch der Spa-Bereich kommt auf vielen Schiffen nicht zu kurz. Fahrräder an Bord sind außerdem keine Seltenheit mehr. Dabei optimieren immer mehr Anbieter ihre Reisedauer. Da kürzere Reisen gegenwärtig als Zweiturlaub, der kurzfristig gebucht werden kann, im Trend liegen, steigen in diesem Segment die Angebote.

Zusätzlich verlängern Anbieter ihre Liegezeiten an manchen Anlegestellen, um ihren Kunden Gelegenheit zu geben, auch Ausflüge zu Abendveranstaltungen zu besuchen. Einfluss auf die künftige Entwicklung dürfte unverändert der Ukraine-Krieg haben. Da vor allem die Ortskenntnisse in Übersee nicht so ausgeprägt sind, leiden vor allem die langen Donau-Fahrten bis in das Delta darunter.

Hilfreich für die künftige Nachfrageentwicklung dürfte dagegen die Altersstruktur der Kunden bleiben. Zwar bemühen sich einige Anbieter, vor allem jüngere Kunden an Bord zu holen, indem sie familiengerechte Angebote machen, Raum und Programme für Kinder schaffen. Aber die Flusskreuzfahrt ist vor allem bei einer älteren Klientel beliebt und deren Zahl wächst. Ihre Bedürfnisse müssen daher vor allem erfüllt sein, ihre täglichen Gewohnheiten  berücksichtigt werden. Da auf Flusskreuzfahrtschiffen der Zugang zum Internet kein Problem darstellt, das gilt auch für den Empfang zahlreicher Fernsehsender und auch Ärzte an Land schnell erreicht werden, bleiben vor allem bauliche Einrichtungen an Bord. Höhere Betten, wenig Treppen, geräumige Kabinen. Das alles bieten moderne Flusskreuzfahrtschiffe. Bisher zeichnet sich kein Kapazitätsüberhang ab, obwohl manche Auslastungszahlen besser sein könnten. Aber der Markt wird Neubauten brauchen, da die Anforderungen der Kunden wachsen und damit die älteren Drei-Sterne-Schiffe ausgedient haben.

Gerd Achilles